Berthold Auerbach und Ludwig Bamberger

Beide waren Söhne jüdischer Handelsfamilien, die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts geboren wurden (Auerbach 1812 in Nordstetten, Bamberger 1823 in Mainz). Wie Bamberger begann auch Auerbach zunächst, Jura zu studieren, wechselte dann aber doch zu Philosophie. Im Gegensatz zu den vorher karikierten Heine und Stahl hatten die beiden hier behandelten das Glück, das zu ihrem Studienbeginn die Burschenschaften nicht mehr so antisemitisch wie zu ihrer Gründungszeit eingestellt waren und jüdische Studenten wieder als Mitglieder aufgenommen wurden. Ihre Leben sind in Amos Elons Buch „Aus einer anderen Zeit“ sehr eindrücklich beschrieben (nicht nur deshalb: Kaufempfehlung!!)

Berthold Auerbach

Berthold_Auerbach_c.1850

Ich bin Deutscher und kann nichts anderes sein. Ich bin Schwabe und will nichts anderes sein. Ich bin Jude. All das zusammen gibt die richtige Mischung.

(Aus: Elon, Aus einer anderen Zeit. S. 169.)
Während seines Jura- bzw. Philosophiestudium war Auerbach Mitglied der Burschenschaft „Germania“. Dort blieb er auch Mitglied, als er an die Münchner Universität wechselte. Sein Studium musste er jedoch in Heidelberg beenden, da er 1833 wegen mit vielen anderen Burschenschaftsmitgliedern wegen „staatsfeindlicher Umtriebe“ festgenommen und von der Uni exmatrikuliert wurde. Und nach der Beendigung seines Studium wurde er 1836 erneut wegen seiner Mitgliedschaft bei der „Germania“ festgenommen – und diesmal auch für zwei Monate inhaftiert. Die geplante Karriere als Lehrer an einer Rabbinerschule war ihm danach verwehrt. So zog er nach Stuttgart und verdiente seinen Lebensunterhalt als Schriftsteller. Seine „Schwarzwälder Dorfgeschichten“ sind zwar heute nicht mehr bekannt (zumindest nicht in Rheinhessen), aber seiner Zeit ein Verkaufshit (1843 erschienen). Elon schrieb, dass er damit Balzac, Turgenjew und Tolstoi beeinflusste.
Für lange Zeit hatte er mit antisemitischen Anfeindungen keinerlei Probleme. 1870 erklärte er noch, dass die Akkulturation der Juden in Deutschland unausweichlich wäre. Für ihn brach wohl eine Welt zusammen, als man ihm 1880 “Hep-Hep” nachrief.

Ludwig Bamberger

Bamberger begann sein Jurastudium zunächst in seiner Heimatstadt Mainz, wechselte dann aberLudwig_Bamberger an die Universität Heidelberg und wurde Mitglied in der dortigen Burschenschaft Walhalla. Von Problemen wegen seiner Zugehörigkeit ist auch bei ihm nichts bekannt . Im Gegensatz zu dem 10-15 Jahre vorher studieren Auerbach wurde er aber auch nicht wegen dieser Mitgliedschaft festgenommen. Kurz nach seiner Promotion fuhr er, politisch eher radikal als liberal einzuordnen, spontan nach Paris, um die dortige Februarrevolution mitzuerleben. Allerdings nur ein paar Stunden. Zu groß war die Sorge, erkannt zu werden und seine beruflichen Chancen damit zu beenden. Wieder in Deutschland, zog er nach Mainz und rief als Redakteur bei der Allgemeinen Zeitung offen zur Teilnahme an den Märzunruhen auf. Er war von dem Erfolg der Revolution in den deutschen Ländern vollends überzeugt. Daher fuhr er auch verzweifelt dem Rumpfparlament nach, nachdem die Frankfurter Nationalversammlung 1849 gescheitert war. Auch das Rumpfparlament scheiterte. Als Bamberger 1852 wegen seiner aktiven Teilnahme an der versuchten Revolution zum Tode verurteilt wurde, lebte er schon im Exil in der Schweiz und machte als Bankier Karriere.

Erst nach der Amnestie 1867 durch den Großherzog von Hessen-Darmstadt zog er zurück nach Mainz. Politisch gemäßigter wurde er Mitglied der Nationalliberalen Partei und Mitglied des Zollparlamentes. Seine politische Karriere begann. 1871 bis 1893 war er Mitglied des Reichstages als Abgeordneter des Wahlkreises Bingen-Alzey, den er als führendes Mitglied der nationalliberalen Fraktion meist sicher gewann. Kurzzeitig war er auch Berater von Otto von Bismarck. Doch mit dem steigenden Einfluss wuchsen auch die Anzahl der antisemtischen Anfeindungen auf ihn, besonders in Person seines zeitweiligen Fraktionskollegen Heinrich von Treitschke. 1893 war für ihn das Maß erreicht – er zog sich vollends aus der Politik zurück und verbrachte “im Stillen” seinen Lebensabend in Berlin.

Bildnachweise: Anonym: Berthold Auerbach (CC-pd), Anonym: Ludwig Bamberger (CC-pd)

Cite this article as: Petra, "Berthold Auerbach und Ludwig Bamberger," in Tektoria, 12. August 2013, https://www.tektoria.de/auerbachundbamberger/.

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