Tagesausflug nach Speyer

Letzten Freitag, am 30. Mai 2014, fuhren Christian und ich nach Speyer. Das Städtchen in der Pfalz ist etwa 100km bzw. eine Autostunde von meiner Heimat entfernt. Leider hatten wir zwar nicht das allergrößte Glück mit dem Wetter, aber es blieb zumindest trocken, während wir die Maximilianstraße entlang schlenderten, den Dom und das Technikmuseum besichtigten und in den Antiquariaten in der Nähe des Doms stöberten.

Das Städtchen mit 50.000 Einwohner wurde von den Römern gegründet und wurde später freie Reichsstadt und Bistumsstadt.

Blick von der Maximilianstraße auf den Speyrer Dom

Davon erzählt auch der Domnapf, eine Grenzmarke zwischen weltlichem und kirchlichem Bereich. Verfolgte, die sich hinter den Domnapf retteten, konnten erstmal nicht mehr von einer weltlichen Macht gerichtet werden.

Die Fußgängerzone Speyers ist die 600m lange Maximilianstraße, die sich ehemals als via triumphalis zwischen Altpörtel, einem Stadttor und dem Dom erstreckt. Beide Bauwerke stehen übrigens noch bzw. wurden wiedererrichtet. Ja, 600m sind zwischen kurz und entlang der Straße dürften ca. 8 Eissalons bzw. Cafés zu finden sein – ein Zeichen, dass die Straße trotz ihrer geringen Ausmaße frequentiert wird.

Blick vom P+R-Parkplatz auf den Speyrer Dom

Wir parkten unser Auto in dem Parkhaus „Zentrum“, einer Seitenstraße der Maximilianstraße und kaum 200m von ihr entfernt. Neben dem meist überfüllten P+R-Parkplatz am Technikmuseum kostet auch hier das Parken maximal EUR 2,50. (googlemaps)

Nach einer ersten Stärkung in einem Café, das weder gut noch schlecht war und dessen Namen ich wirklich(!) vergessen habe, gingen wir Richtung Dom. Ich liebe relativ schmucklose, romanische Kirchen im Gegensatz zu Christian, der mehr gotische à la Kölner Dom bevorzugt. Hat der Dom an der Außenfassade wenigstens noch etwas farbliche Unterschiede, kann das karge Innere schon verwundern, denn nur noch an einer Seite des Hauptschiffes sind Fresken erhalten.

Die „Rückseite“ des Speyrer Dom

Das führte dazu, dass mich Christian fragte, ob wir denn tatsächlich in einer katholischen Kirche wären. Ja, ich muss ihm recht geben, etwas mehr Stuck wäre schön. Es muss ja nicht gerade so überladen wie die (dennoch von mir geliebte) Theatinerkirche in München sein.

Aber der Speyrer Dom war auch Herrschaftssymbol und dient auch als Grablege verschiedener römischer Kaiser, die den Saliern und Staufern zugeordnet werden. Der bekannteste von ihnen dürfte Heinrich IV. sein – das ist der, der nach Canossa ging. In die Krypta gingen wir allerdings nicht. Ich war schon diverse Male an den Gräbern und außerdem schreckte und der Eintritt von EUR 3,00 letztendlich doch ab.

Im Park

Entfernt man sich vom Dom aus weiter von der Maximilianstraße und geht geradewegs durch den kleinen, sehr schön gestalteten Park, kommt man über den schon genannten P+R-Parkplatz und unter der Straßenbrücke hindurch zum Technikmuseum.

Hier schreckte uns der Eintritt von überheblichen EUR 14,00 letztendlich doch nicht ab. Im Nachhinein: EUR 9,00 – 10,00 sind die Schmerzensgrenze für das, was man geboten bekommt.

Im Technikmuseum

Dennoch sollte man sich dazu überwinden, mal das Museum zu betreten; auch, wenn man danach weiß, dass es das letzte Mal war. Dümmer geht man jedenfalls nicht wieder hinaus und außerdem kommt man mit der Eintrittskarte für den halben Eintrittspreis in das andere Technikmuseum im nahgelegenen Sinsheim. Zu unserem Besuch im Technikmuseum hat Christian bereits gebloggt.

A propos Museum: Seitlich neben des Doms befindet sich das Historische Museum der Pfalz, das wir allerdings nicht besuchten.

Wären wir noch weiter in dieselbe Richtung gelaufen, wären wir zur Jugendherberge gekommen, die direkt am Rhein liegt. Dort, am Rhein, kann man wunderbar spazieren gehen und – wenn denn die Sonne scheint – sich ausgiebig sonnen oder auch sportlich bestätigen. Wir gingen aber zurück zur Maximilianstraße. Kurz hinter dem Dom ist – mit Blick auf den Altpörtel – auf der rechten Seite ein hellblaues Haus, dass auch einen Ständer mit Postkarten und einen mit Bücher vor dem Haus stehen hat. Darin sind zwei Buchantiquariate, bei denen ich bei meinen ganzen Speyeraufenthalten nicht gerade wenig Geld gelassen habe. Nach dem Eingang links das etwas engere und zum Kramen einladende Antiquariat „Bücherwurm“ (dass nicht nur zu meinem Leidwesen mittlerweile alle Bücher in Folien eingepackt und flach aufeinander gestapelt und beschriftet hat, sodass man gar nicht mehr leicht nach alten Büchern suchen kann) und gerade aus das Antiquariat „Marsilius“ mit hellen, nicht ganz so engen Gängen. Beide Antiquariate haben ihre Bücher thematisch sortiert. Ich bin diesmal nur in letztgenanntem Antiquariat fündig geworden, da mich Bücher erst mit einem Alter ab 100 Jahren aufwärts interessieren. Beinahe hätte ich mir ein Erdkundeschulbuch von 1824 gekauft (EUR 36,00 und dem Alter entsprechend gut bis sehr gut erhalten), aber es wurde „nur“ ein Wörterbuch über das Jiddische – und das noch nicht mal alt. Insbesondere zur Literaturwissenschaft hat das Marsilius-Antiquariat viele alte (= 18./19. Jh.) Ausgaben. Aber mittlerweile kaufe ich mir nicht mehr alte Bücher nur, weil sie „schön“ aussehen, sondern nur, wenn sie einen weiteren Nutzen für mich haben, d.h. wenn sie eins meiner historischen Interessensgebiete tangieren. Und das hat schlicht keines.

Antiquariate sind übrigens nicht nur für Liebhaber alter Bücher. Christian blätterte vergangenheitsverloren in einer Broschüre über den Wert von Ü-Eier-Figuren von 1992 und resümierte, wie viel er mittlerweile wohl durch sie gehabt hätte – wären sie denn noch vollständig oder überhaupt erhalten.

Am Speyrer Dom

Den restlichen Nachmittag schlenderten wir einmal die Maximilianstraße hinauf und einmal hinunter, kauften ein wenig ein und wollten gegen 18 Uhr in den Domhof, einer Brauerei in einem wiederum hellblauen Haus recht am Beginn einer weiteren Straße, die vom Dom abgeht. Leider habe ich nicht reserviert – und es war ein Brückentag-Freitag. Noch war zwar Platz, aber alle Tische waren reserviert. Dank eines Tipps gingen wir auf halber Strecke der Heimreise in Worms essen. In der Nähe des dortigen Dom befindet sich die Trattoria „Pepe e Sale, die ich jedem sehr empfehlen kann: Ich muss wirklich überlegen, ob ich jemals außerhalb Italiens so gut gegessen habe – und das zu einem angemessenen, nicht überhöhten Preis (28cm-Durchmesser-Pizzas für um die EUR 7,00, ein Glas Wein oder eine Flasche Wasser für EUR 4,00) in einem wunderschönen Ambiente! Zwei Pizzen, zwei Gläser Wein, eine Flasche Wasser und Tiramisù bzw. Panna cotta zum Nachtisch kosteten uns EUR 36,60.

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